Kreativität aus der Stille
Von Hiranya
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Ich habe in meinem Leben viele nervenaufreibende Dinge getan und ja – meine Nerven waren manchmal wirklich am Ende! Als klassische Musikerin und jetzt auch als Operndirektorin musste ich oft vor vielen Leuten mein Bestes geben, mit nur einer Chance, es richtig zu machen.
Manchmal war es ein Erfolg und manchmal ein Desaster, wobei ich mein Glück von der Verwirklichung der ersten Option abhängig machte. Ich tat dies, indem ich stundenlang übte, alles bis zur Perfektion plante und sicherstellte, dass ich alles wie im Schlaf beherrschte. Dann betete ich für einen zauberhaften Hauch an Inspiration. Auf wundersame Weise kam er auch oft, aber es war eine erschöpfende Art zu leben und trotz meiner Erfolge, lief in meinem Kopf eine unbewusste Angst vor dem Versagen ab. Heute, nachdem ich gelernt habe, mit der Stille im Inneren vertraut zu sein, habe ich meine Arbeitsweise komplett geändert.
Zur selben Zeit, als ich meinen Meisterschaft-des-Selbst-Kurs mit den Ishayas absolvierte, beendete ich auch meine Ausbildung als Operndirektorin, wodurch ein Traum wahr wurde. Die Aufgabe der Direktorin ist komplex. Sie entscheidet, ob die Oper in einem düsteren Keller vor 300 Jahren, in einem modernen Bürogebäude oder in einem französischen Bordell in den Zwanzigern stattfindet. Es ist ihr Job zu wissen, ob ein Charakter lügt oder die Wahrheit sagt oder ob er heimlich in seine Tante verliebt ist; und es ist die Aufgabe der Direktorin, jeden dazu zu inspirieren, dies auf die bestmögliche Weise auszudrücken.
Als frischgebackene Operndirektorin brachte ich eine Oper für Schulkinder auf die Bühne. Zu jener Zeit war ich dabei, ein ziemlich stabiles Erlebnis von innerem Frieden zu entwickeln und kurz bevor die Proben begannen hatte ich 6 Wochen auf einem Ascension Retreat verbracht und erkannt, dass ich wählen konnte, diesen Frieden jederzeit zu erleben. Also kehrte ich zum Opernhaus mit der Absicht zurück, meine Arbeit von diesem Erlebnis aus zu machen.
Es war eine absolut magische Erfahrung. Ich war ruhig, im Fluss, spontan und Meisterin der Situation. Ich arbeitete mit den Sängern auf eine komplett neue Art und Weise zusammen, da ich nun tatsächlich anwesend war, präsent für was auch immer mir im Moment begegnete. Wir hatten so viel Spaß zusammen! Und das Unglaubliche daran war, dass dies alles ohne Planen ablief. Ich will damit nicht sagen, dass ich nicht vorbereitet war, denn ich hatte immerhin das Stück selber zusammen geschnitten; doch ich plante nicht jedes kleinste Detail. Ich plante in meinem Verstand nicht alles im Voraus, so wie ich es immer getan hatte, immer darauf vorbereitet, was ich in den nächsten fünf Minuten tun würde. Ich war gegenwärtig. Es war großartig. Wenn ich plötzlich nicht wusste, was ich tun sollte, nahm ich mir einfach fünf Sekunden Zeit und richtete meinen Fokus nach innen; und da war sie – eine brandneue Idee.
Gelegentlich stattete mir die alte Gewohnheit, zu kontrollieren, einen Besuch ab. Ich hielt noch immer an ein paar meiner alten Methoden fest, alles perfekt zu machen. Ich glaubte immer noch manchmal, dass es meine Schuld war, wenn etwas „schief“ lief oder dass ich der Aufgabe nicht gewachsen war. Manchmal überkam mich die Angst und ich lag die ganze Nacht wach und plante den nächsten Tag durch, so wie ich es immer getan hatte. Am nächsten Tag machte es dann nicht mal halb so viel Spaß und nach kurzer Zeit kehrte ich zu Plan A zurück: still zu sein und abzuwarten, was passiert. Es war wie Magie! Es war ziemlich klar für mich, dass das Beste, das ich tun konnte, war, mich der Stille hinzugeben und zu schauen, was als nächstes passierte. Mir Sorgen zu machen klappte einfach nicht.
Ein paar Leute begannen zu bemerken, wie ruhig ich inmitten des Chaos eines Opernhauses war, das sich auf eine Premiere zubewegte. Meine Tage waren ein kontinuierlicher Fluss an Entscheidungen, die getroffen werden mussten; welche Beleuchtung wollen Sie hier? Kann sie diese Schuhe tragen? Was fühlt mein Charakter gerade? Ich tat Dinge, die ich nie zuvor getan hatte, gestaltete ein neues Bühnenbild, fotografierte Bilder, die auf gigantische Flächen an den Wänden projiziert werden sollten und wirkte mit allen im Haus zusammen.
Die Sänger vertrauten mir, die Angestellten vertrauten mir und ich bin mir sicher, dass sich meine Stabilität auf sie auswirkte. Im Grunde wirkte sie sich auf die gesamte Produktion aus. Die Atmosphäre war voller Freude und Wertschätzung. Vom ersten Tag an glaubten alle Beteiligten fest an diese Produktion und ich kann wirklich nicht sagen, warum das so war, außer dass ich selbst keine Angst vor dem Versagen mehr hatte. Denn ich hatte erkannt, dass mein Glück nicht vom Außen abhängt. Das Glück liegt im Inneren und das Außen ist ein riesengroßer Spielplatz auf dem wir uns alle vergnügen dürfen.

